Seit dem 1. Mai ist es wieder soweit: Berlins umweltfreundlichste BVG-Linie, die Fähre F24, hat ihren Saisonbetrieb aufgenommen. Jetzt legt der Ruderkahn wieder regelmäßig zur rund 36 Meter langen Fahrt von Rahnsdorf-Kruggasse nach Müggelheim am anderen Ufer der Müggelspree ab.

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“Fährmann, hol über!” Foto: Christian Retzlaff/BVG

Von Anfang Mai bis Anfang Oktober verkehrt die traditionsreiche Rahnsdorfer Ruderfähre. Von einem Ufer der Müggelspree zum anderen benötigt die Linie F24 dabei nur zwölf Ruderschläge. Sie ist die kleinste Fähre in Berlin und legt die kürzeste Strecke im Auftrag der BVG zurück, dafür gilt der Kurzstreckentarif: 1,70 Euro. Tages- und Monatskarten berechtigen zur kostenlosen Überfahrt. Trotz ihrer überschaubaren  Maße, erfreut sie sich die Fähre F24  großer Beliebtheit bei den Fahrgästen. Obwohl die Fähre nur an Wochenenden und Feiertagen verkehrt, nutzten im letzten Jahr 7170 Fahrgäste die Dienste von “Paule III”, außerdem brachte Fährmann Ronald Kebelmann 2720 Fahrräder ans jeweils andere Ufer. Die Rahnsdorfer Fährmänner sind hier übrigens örtliche Berühmtheiten: Seit der Aufnahme des Linienbetriebs im Jahr 1911, haben lediglich vier Männer dieser verantwortungsvollen Aufgabe angenommen. An die drei langjährigen Fährmänner Richard Hilliges (zwischen 1911 und 1942), Richard Hörke (zwischen 1947 und 1978) und Paul Rahn (zwischen 1978 und 2002) erinnern Straßen unweit des Alten Fischerdorfs Rahnsdorf.

Paul Rahn übernahm 1979 die Rahnsdorfer Fähre. Damals ließen sich täglich 100 bis 120 Gäste, meist Urlauber, Ausflügler oder Laubenbesitzer, für einen “Groschen” über die nur 30 Meter breite Müggelspree rudern.

Das Ende der F24
Vor ein paar Jahren, da sah es mal schlecht aus für das rotblaue Kult-Ruderboot. Die Paule III und mit ihr der Betrieb der Linie F24 stand vor dem endgültigen Aus. Der Vertrag der BVG mit der Stern-und Kreisschifffahrt, die für den Ruderbetrieb verantwortlich war, lief aus. Aus Kostengründen bevorzugten sowohl der Senat als auch der neue Betreiber  eine größere, elektrisch betriebene Motorfähre  – trotz der Proteste vieler Rahnsdorfer und der Köpenicker Tourismusvereine, die ihre Attraktion erhalten wollten. Schließlich schritt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ein und lehnte den Bau eines Anlegers für die geplante Motorfähre am Müggelheimer Ufer ab. Die Spree sei bei Rahnsdorf für ein solches Vorhaben zu eng, hieß es. Das Resultat: Die Linie F24 wurde vollständig eingestellt.

Der Kult kehrt zurück
Zur Saison 2013 war es dann nach 102 Jahren Rahnsdorfer Rudertradition vorbei. Die alten Verträge mit der Berliner Stern- und Kreisschifffahrt waren ausgelaufen,  der Betrieb von Berlins einziger Ruderfähre eingestellt. Dann wurden die Rahnsdorfer mit kräftiger Unterstützung des Köpenicker Tourismusvereins aktiv. Für die Paule-Kampagne wurden mehr als 18 000 Unterschriften gesammelt. Das Argument: Eine solche Attraktion, die in jedem Reiseführer steht, darf nicht sterben. BVG-Chefin Sigrid Nikutta änderte daraufhin ihren Kurs und setzte sich beim neuen Verkehrssenator Andreas Geisel für die Fähre ein.  Geisel war nicht schwer zu überzeugen, h ließ er sich doch schon als Kind mit dieser Fähre an das andere Ufer der Spree übersetzen. Die Kult-Fähre war zurück. Seit vergangener Saison verkehrt sie wieder auf ihrer Stammstrecke von Rahnsdorf nach Müggelheim, zwar nur noch an Wochenenden und Feiertagen,  doch mit dem Kompromiss können “Paules” Fans gut leben.

Die F24 ist samstags, sonntags und an Feiertagen bis zum 3. Oktober 2016 unterwegs. Es gilt das Kurzstreckenticket der BVG für 1,70 Euro. Gerudert wird von 11 bis 19 Uhr auf den Zuruf “Fährmann, hol über”.