2015 endete die Kohleförderung im Tagebau Cottbus-Nord. Dort, vor den Toren der Stadt Cottbus, soll nun innerhalb der nächsten zehn Jahre Deutschlands größter künstlicher See entstehen. Mit dabei: Badestrände, Strandpromenade, Ferienhäuser und kleine Inseln für den Naturschutz. Eine große Chance für die strukturschwache Region – doch Umweltschützer haben bedenken.

Gigantisches Projekt mit Chancen für die Region
Im Herbst vergangenen Jahres schickte Vattenfall die letzten Bergarbeiter aus Cottbus-Nord in den Ruhestand oder in andere Tagebaue. Hier soll sich nun das Gewässer  auf einer Fläche von 19 Quadratkilometern ausbreiten. Damit wäre der See etwa dreimal so groß wie die Talsperre Spremberg und Deutschlands größter künstlicher See. Wo früher Millionen Tonnen von Braunkohle gefördert und anschließend im Kraftwerk Jänschwalde verarbeitet wurden, sollen bald Familien an weißen Sandstränden liegen und im sauberen Seewasser planschen können. Von der längsten Strandpromenade zwischen Rostock und Rimini ist die Rede. Touristen könnten sich auf Häfen, Wasserskianlagen, Naturschutzgebiete und bis zu 80 Zentimeter hohe Wellen freuen. Dazu einigte man sich nach einem öffentlichen Wettbewerb auf den Namen “Ostsee”. Derwird mehr als doppelt so groß wie der Berliner Müggelsee  und an einigen Stellen fünfmal so tief sein.

Der Cottbuser Ostsee lockt mit Chancen für die Region, besonders für die Naherholung und den Tourismus. Schwerpunkte der touristischen Nutzung sollen die südwestlichen bis nördlichen Uferzonen sein. Hier können die Nachbargemeinden Badestrände anlegen oder den See mit Häfen und weiteren Freizeitangeboten erschließen. Auch für die Fischerei soll er genutzt werden. Darüber hinaus bieten die reich strukturierten Inseln und Flachwasserbereiche am Ostufer reichlich Potenzial für die Entwicklung naturschutzrelevanter Flächen. Hier könnten sich Flora und Fauna ohne große Eingriffe des Menschen entwickeln.

Flutung soll 2018 beginnen
Im Süden, Westen und Norden werden die Uferböschungen vor der Flutung so weit abgeflacht, dass die Wasserbewegung des Sees später kein Erdreich abtragen kann.  Den Großteil des Seebodens bildet die sogenannte Innenkippe des Tagebaus.  Das Erdreich im und um den einstigen Tagebau muss dazu zunächst mithilfe einer spezieller Rütteltechnik verdichtet werden- Das geht langsamer voran als geplant, besonders was die zukünftige Qualität des Wassers betrifft. Denn oft ist das Wasser noch zu sauer und nicht zum Baden geeignet. Die Flutung soll 2018 beginnen, innerhalb von sechs Jahren wäre der Ostsee  aufgefüllt. Dazu lässt Vattenfall das Grundwasser ansteigen und führt Wasser aus der nahen Spree zu. Nach eigenen Angaben steht das Unternehmen dabei im engen Wissensaustausch mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV), die bereits Erfahrung mit der Flutung von ehemaligen Tagebauen gesammelt haben.

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Grafik: Vattenfall

Umweltschützer kritisch
Doch es regt sich auch Kritik gegen das Projekt in der Lausitz. Vor allem die Wasserqualität im Spreewald und die Trinkwasserversorgung Berlins seien in Gefahr, bedenken Umweltschützer. René Schuster von der Grünen Liga Brandenburg bezweifelt gegenüber dem Tagesspiegel den Optimismus des Energiekonzerns: „Es wird eine hohe Eisenkonzentration geben und auf Dauer könnte das zu einer Verockerung der Spree führen“, sagt er. Rotbraunen Fließe würden also im Spreewald auftreten, hinzu kämen hohe Sulfatwerte. „Selbst Vattenfall geht in seinen Planungen davon aus, dass Wasser, das vom Ostsee wieder in die Spree geleitet wird, eine Sulfatbelastung von 500 Milligramm pro Liter aufweist. Das wäre doppelt so hoch wie der Trinkwassergrenzwert“, sagt Schuster.
Vattenfall entgegnet den Kritikern, dass  der Sand im jetzigen Tagebau und somit am Grunde des künftigen Ostsees viel Kalk enthält. Das kalkreiche Sediment wirke neutralisierend und würde eine Versauerung des Wassers wie in anderen gefluteten.

Der Blunoer Südsee im Lausitzer Seenland. Foto: SeptemberWoman via Wikimedia Commons

Der Blunoer Südsee im Lausitzer Seenland.  Foto: SeptemberWoman via Wikimedia Commons

Wie schön so ein künstlicher See sein kann, zeigt sich in der direkten Nachbarschaft. Auf halbem Wege zwischen Senftenberg und Spremberg befindet sich der Blunoer Südsee, ebenfalls Produkt eines gefluteten Tagebaus südlich des Dorfes Bluno. Dort ist in den vergangenen Jahren bereits eine beeindruckende Wasserlandschaft entstanden, auch viele Tierarten haben sich hier an den Ufern angesiedelt. Ob die Cottbusser mit ihrem Ostsee auch zu neuen Ufern aufbrechen, wird sich zeigen.

Titelfoto: Sane via Wikimedia Commons