Die Menschheit ohne Meere? Undenkbar. Ozeane bedecken zu rund 70 Prozent unseren Planeten. Jeder dritte Mensch auf der Erde nutzt sie als Nahrungsquelle. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in küstennahen Regionen. Die meisten Waren erreichen uns über das Meer und am Meeresboden liegen große Rohstoffvorkommen. Nicht zuletzt nehmen Ozeane einen großen Teil des vom Menschen produzierten Kohlendioxids auf. Die herausragende Bedeutung der Ozeane erfährt in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit: Meere und Ozeane heißt das neue Wissenschaftsjahr des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das Mitte 2016 beginnt.

Klimamaschine Meer
„Meere und Ozeane sind für unser Leben von immenser Bedeutung. Den Großteil der Meere kennen wir noch gar nicht. Trotzdem werden sie vielfach rücksichtslos ausgebeutet und verschmutzt. Plastikteilchen finden sich inzwischen in Fischen, in kleinen Meerestieren und im Arktiseis. Die Meere sind für uns Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum und Klimamaschine. Dieses große Thema wollen wir den Menschen nahe bringen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Dafür haben wir diesmal mehr Zeit eingeplant. Das bedeutet für die Bürgerinnen und Bürger den größten Lebensraum des Planeten besser kennen und zu schützen lernen.“

Arktisches Eis zunehmend verschmutzt
Anlässlich des Parlamentarischen Abends des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zur „Deutschen Arktisforschung und Arktispolitik“ stellte Wanka gestern Abend in Berlin das kommende Wissenschaftsjahr vor. „Entdecken, Nutzen, Schützen“ ist das Motto für die Meere und Ozeane im Wissenschaftsjahr. Darüber hinaus wurde an diesem Abend über die deutsche Arktispolitik und die zukünftigen Herausforderungen in der Arktisforschung diskutiert. Aktuelle Untersuchungen zeigen die zunehmende Verschmutzung des arktischen Eises durch Mikroplastik und die Versauerung der arktischen Meere. Infolge des schwindenden Meereises durch die Erderwärmung werden neue Rohstoffquellen zugänglich, eine zusätzliche Belastung für die Arktis. Der nachhaltige Umgang mit dem sensiblen Ökosystem ist daher wichtiger Teil der Polarforschung, ebenso wie die Auswirkungen des Klimawandels.  „Klimaveränderungen sind in der Arktis nicht nur zuerst spürbar, sondern sie wirken sich dort auch weit schwerwiegender aus als in anderen Regionen der Erde. Ist in dem labilen Klimasystem erst einmal ein „Punkt ohne Wiederkehr“ erreicht, sind die Folgen gravierend“, sagte Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des AWI.

Wissenschaftsjahr im Zeichen der Ozeane
Die Meeresforschung ist das zentrale Thema des Wissenschaftsjahres 2016/2017. Die Themen reichen vom Lebensraum Meer über Nahrungsquellen und Wirtschaftsraum, die Bedeutung der Ozeane für Wetter und Klima bis hin zur gesellschaftlichen Bedeutung der Meere und Küstenregionen als Kulturräume, Sehnsuchtsorte und Reiseziele. Bundesweit werden mehrere hundert Veranstaltungen, Gesprächsrunden, Ausstellungen und Wettbewerbe stattfinden. Das Wissenschaftsjahr ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und von Wissenschaft im Dialog (WiD). Zudem engagieren sich zahlreiche Partner für das Wissenschaftsjahr.

Weitere Informationen gibt es hier.

Foto: Julian Herzog/NASA