Ein Text für unseren Nachwuchs.

Autor:
Marlis Heinz

Warum schwimmen eigentlich ein Ruderboot, eine leere Flasche oder gar ein tonnenschwerer Ozeanriese – und selbst das kleinste Steinchen geht unter? Das Phänomen der Wasserverdrängung ist eigentlich ganz einfach zu erklären, sodass es auch kleine Technikfreunde verstehen. Ein Text für unseren Nachwuchs.

Jule und Micha sitzen am See und schauen auf die glitzernde Wasserfläche. Das wird schon fast langweilig, da treibt ein Boot mit einem dicken Angler drin vorbei. „Komisch, dass der nicht untergeht“, wundert sich Jule. „Wo der doch bestimmt so viel wiegt wie wir beide zusammen.“ Und da fällt ihnen noch viel mehr auf, was da ganz mühelos schwimmt: eine alte Plastik-Flasche, ein Seerosenblatt, ein paar Scheite Holz, ein Schaumstoffwürfel …

Warum geht das alles eigentlich nicht unter? Klar, weil es leicht ist. Ein Stein würde untergehen. Aber was geht denn unter und was nicht? Und warum können Boote mit dicken Anglern und sogar ganz große Schiffe schwimmen? Um das herauszubekommen, muss man sich anschauen, wie der Gegenstand auf dem Wasser liegt. Alles, was schwimmt, sinkt ein und verdrängt dadurch Wasser. Der Luftballon drückt ein ganz flaches Loch ins Wasser und das Riesenschiff ein ganz breites und tiefes. Und nun kann man einen Vergleich anstellen: Auf der einen Seite ist das Gewicht, das all das Wasser hätte, in dem entstandenen Loch. Auf der anderen Seite ist das Gewicht des Verdrängers, also des Luftballons oder des Schiffes. Würde man beides auf eine Waage legen, würde beides gleich schwer sein: der Luftballon und das Wasser, das in das flache Loch passen würde. Und selbst das riesige Ozeanschiff ist gerade mal so schwer wie das Wasser, das es verdrängt.

Und der dicke Angler mit seinem Kahn? Der ist ganz schön tief in den See eingesunken. Die Wellen plätschern beinahe über den Rand. Aber er, sein Boot, seine Anglereimer und die Luft im Boot wiegen genauso so viel wie das Wasser, das er beiseite gedrängt hat. Dumm wird es nur, wenn sein Boot ein Loch hat. Dann füllt es sich mit Wasser und wird immer schwerer. Genauso schwer wie das Wasser drum herum. Kommt dann noch das Gewicht des dicken Anglers dazu, sinkt das Boot.

Micha und Jule schauen sich jetzt die Dinge an, die auf dem Wasser treiben: In der leeren Plastikflasche ist noch jede Menge Luft. Auch der Schaumstoffwürfel, das Seerosenblatt und das Holz haben viele Luftbläschen, man kann sie nur nicht alle sehen.

Aber warum kann ein Mensch auch ohne Boot schwimmen? Er ist ja eigentlich fast so schwer, als wenn er ganz aus Wasser wäre? Wer sich flach aufs Wasser legt und nichts tut, wird es erleben: Mal schwimmt man obenauf, mal geht man ein kleines bisschen unter. Aber mit ein paar Bewegungen kommt man immer wieder nach oben. Für den Menschen ist das Wichtigste, dass er immer atmen kann. Deshalb ist es das Beste, wenn man das Schwimmen richtig lernt und sich nicht darauf verlässt, dass das Wasser einen trägt.

Jule und Micha, die beide schon richtig schwimmen können, probieren es mal aus, wie es ist, sich auf das Wasser zu legen. Und es klappt.