Winterfeste Kleidung, rutschfeste Schuhe und Freude an der frischen Luft. Mehr braucht man nicht zum Eisstockschießen. In hiesigen Breitengraden weniger populär, ist der Sport eines der beliebtesten Wintersportarten im Alpenraum. Doch wer Stöcker übers Eis schießen will, der braucht keine lange Winterreise anzutreten, auch in Berlin kann man den spannenden Zeitvertreib an vielen Orten ausprobieren.

Geschossen wird woanders
Schießen, das klingt irgendwie martialisch und erinnert mehr an Kaserne als an Familienspaß. Aber keine Angst, Schussverletzungen muss man beim Eisstockschießen nicht befürchten. Die militärisch anmutende Namensgebung der Sportart hat vielmehr einen historischen Hintergrund. Ursprünglich im hohen Norden Skandinaviens erfunden, gelangte das Eisstockschießen im 16. Jahrhundert in den Alpenraum. Zu jener Zeit war hier der einfachen Bevölkerung das Jagen untersagt. Auch das Spielen unter Männern war in der Öffentlichkeit verpönt. Die neue Freizeitbeschäftigung gab den Alpenbewohnern beides, sozusagen eine spielerische Jagd. Spezielle Fachausdrücke zeugen auch heute noch von Jagdattributen der damaligen Zeit. So ist nicht nur jeder Spielversuch ein „Schuss“, der Spielführer wird außerdem als „Moar“ bezeichnet, gemäß dem Anführer einer Jagdgesellschaft, dem „Major“.

Unkomplizierter Familienspaß
Die Regeln sind denkbar unkompliziert. Ähnlich wie beim Boule müssen die Stöcke, ausgehend von einem fixen Anfangspunkt, möglichst in der Nähe des Ziels, der „Daube“ platziert werden. Dazu werden zwei Mannschaften, in der Regel bestehend aus vier Spielern, gebildet. Pro Durchgang wirft dann jedes Mannschaftsmitglied einen Stock und versucht sein Team in die Bestlage zu bringen. Für den Stock in Bestlage gibt es drei Stockpunkte, für jeden weiteren Stock der gleichen Mannschaft, der näher bei der Daube ist als der nächste Stock des Gegners, gibt es weitere zwei Punkte. Ein Spiel besteht dabei aus 6 „Kehren“, also Durchgängen. Wer am Ende die meisten Punkte einheimsen konnte, gewinnt das Spiel.

Viele Möglichkeiten in Berlin
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, in der Hauptstadt gibt es in der Wintersaison eine Vielzahl von Flächen zum Eisstockschießen. Die Spielgeräte sind dabei meist in der Bahnmiete inbegriffen. Besonders schön ist es zum Beispiel im Café am Neuen See im Tiergarten. Denn wo im Sommer Paddelboote zur romantischen Rundfahrt einladen, werden im Winter vier Eisstockbahnen aufgebaut, die stundenweise gemietet werden können. Nicht nur für Frostbeulen gibt es dazu hausgemachten Glühwein. Weitere Bahnen finden sich unter anderem auf der Eisbahn in Berlin-Lankwitz, auf der Winterwelt am Potsdamer Platz oder am Boulevard Unter den Linden.

Wolf-Alexander Schneider