Für viele Brandenburger war es eine Katastrophe. Ein einschneidendes Erlebnis, welches es in der Zukunft unbedingt zu verhindern gilt. Das Hochwasser im Frühsommer 2013 verursachte in zahlreichen Städten und Gemeinden Brandenburgs immense Schäden. Vom Landkreis Elbe-Elster über das Havelland bis in die Prignitz: zahlreiche Flächen mussten dem Hochwasser preisgegeben werden, viele Bewohner fühlten sich im Stich gelassen. Jetzt wird das Land Brandenburg aktiv: mit zwei neuen Schutzprojekten soll das Nationale Hochwasserprogramm umgesetzt werden.

Milliarden für den Hochwasserschutz
Das Nationale Hochwasserschutzprogramm war im Oktober 2014 auf der Umweltministerkonferenz beschlossen worden. Es sieht einen länderübergreifenden Hochwasserschutz vor und umfasst Deichrückverlegungen, Projekte zur gesteuerten Hochwasserrückhaltung sowie Maßnahmen zur Beseitigung von existierenden Schwachpunkten. Dafür wurden vorläufig 5,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, den Flüssen mehr Raum zu geben und Synergien für den Naturschutz aufzutun und zu nutzen.

Polder sollen optimiert werden
Insgesamt hat das Land Brandenburg im Rahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms neun Projekte angemeldet. Davon sind sieben Maßnahmen im Elbe-Einzugsgebiet und zwei im Bereich der Oder vorgesehen. Laut Umweltministerium seien durch diese Projekte zum Teil bedeutende überregionale Entlastungswirkungen auf benachbarte Bundesländer im Hochwasserfall zu erwarten. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Polder, also eingedeichte Rückhalteflächen, die bei Bedarf geflutet werden können. Mit der Flutung der Havelpolder konnten während der Hochwasser 2002 und 2013 Scheitelabsenkungen an der Elbe erreicht und somit die Unterlieger entlastet werden. Mit beiden Projekten verfolgt das Umweltministerium nun das Ziel, die Poldernutzung zu optimieren und die Kapazitäten von Havel und Spree bis in das Berliner Stadtgebiet noch besser für den Hochwasserrückhalt nutzen zu können. Das Vorhaben „Optimierung der Nutzung der Havelpolder“ wird im Rahmen einer Kooperation mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde untersuchen, wie die Flutung im Ereignisfall besser gesteuert und das Poldervolumen optimal genutzt werden kann. Grundlage dafür sind aufwendige hydro-numerische 2D-Modellierungen.

Umwelt profitiert von Renaturierung
Während des Hochwassers 2013 wurden Auengebiete sowie Teile der Spree als zusätzlicher Rückhalt zur Entlastung der unteren Havel genutzt. Ein zweites Projekt im Rahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms untersucht die kontrollierte Nutzung dieser Flussbereiche. Denn die Erfahrung zeigt, dass hier noch Optimierungspotenzial vorhanden ist. Das hat auch Folgen für die Umwelt: Denn gibt man dem Fluss mehr Raum, kehren auch die Tiere zurück – die Maßnahmen haben also auch ganz praktische Vorteile für Seeadler, Fischadler & Co.

Enge Zusammenarbeit der Länder
Jörg Vogelsänger, Brandenburgs Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, erfreut besonders die Kooperationsbereitschaft der Länder:„Ich bin beeindruckt von der engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und Berlin im Rahmen dieser Maßnahmen.“

Foto: Clemensfranz via Wikimedia Commons

Wolf-Alexander Schneider