Ab heute ist Geheimagent 007 wieder im Dienste seiner Majestät in deutschen Kinos zu sehen. Ob Unterwasserauto, Jetpack oder Laser-Armbanduhr. Sicherlich können sich Zuschauer erneut auf zahlreiche Agentengadgets freuen. Eine ganz ähnliche Erfindung mag manch einer auch schon außerhalb des Kinosaals entdeckt haben: der Jetlev-Flyer. Ein echter Raketenrucksack zum Fliegen und Tauchen.

Ein fantastisches Spektakel
„Lev“, das steht für Levitation, zu Deutsch also Schweben. Und genau so sieht es dann auch aus, wenn der Jetlev-Pilot in bis zu 8,50 m Höhe und 50 km/h schnell über die Wasseroberfläche düst. Das klingt zunächst nach Special Effect aus dem Actionkino, dabei ist das Prinzip schnell erklärt. Grundsätzlich benötigt man zwei Komponenten zum Abheben: einen Rucksack mit zwei Düsen sowie ein kleines Begleitboot. Das Boot saugt Wasser an, welches dann über einen Schlauch in den Rucksack gepumpt wird und als Wasserstrahl aus den Düsen schnellt. Der Träger des Rucksacks wird dabei in die Luft katapultiert, das leichte Beiboot zieht er hinter sich her. Dabei sind die Jetlev-Piloten unglaublich beweglich. Vorwärts, rückwärts, Kurven, Kreise, die Erfindung erlaubt sogar den Stillstand in der Luft. Selbst für den Zuschauer ist das ein schwindelerregendes Treiben. Und hat man sich an diesen Anblick gewöhnt, durchpflügt der Jetlev-Flyer die Wasseroberfläche und taucht ab, nur um Sekunden später wieder in die Höhe zu preschen. Ein fantastisches Spektakel, das nicht nur Geheimagenten vorbehalten ist. Denn die einzige Voraussetzung zum Führen des Jetlev-Flyers ist der Sportbootführerschein Binnen zum Führen des kleinen Beiboots.

Agentenschmiede Itzehoe?
Nein, „Q“ oder der MI6 sind für den Bau des Raketenrucksacks nicht verantwortlich. Gebaut werden die außergewöhnlichen Wasserfahrzeuge in Itzehoe, 60 km nordwestlich von Hamburg. Doch vollständig lassen sich die Parallelen zum britischen Superagenten nicht von der Hand weisen. Denn die Idee zum Jetlev-Flyer hatten die norddeutschen Unternehmer vom chinesischen Tüftler Raymond Li, einem erklärten Bond-Fan, fasziniert vom Raketenrucksack aus „Thunderball“ von 1965. Gemeinsam gründeten sie die MS Watersports GmbH und erprobten ihre Erfindung in unzähligen Testfahrten auf der Stör, einem Nebenfluss der Elbe, bis der Jetlev-Flyer in Serie gehen konnte. Im Jahr 2014 machte die MS Watersports GmbH bereits mehr als 500 Millionen Euro Umsatz.

Tretbootverleih ist günstiger
Die Wasserflieger sind weltweit ein angesagtes Gadget – insbesondere in Luxusresorts und zur Unterhaltung gut betuchter Wassersportfreunde. Denn um sich die 99.990 € Anschaffungskosten leisten zu können, bedarf es tatsächlich eines Geheimagenten-Gehalts. Der Hersteller bietet jedoch auch Probeflüge an. Für 199 € kann sich dann jeder einmal ein bisschen wie James Bond fühlen.

Wolf-Alexander Schneider

Foto: Andrew Campbell via Flickr