Ab Januar 2017 darf laut Umwelbundesamt der Antifouling-Wirkstoff Cybutryn, besser bekannt unter dem Handelsnamen Irgarol nicht mehr auf Schiffsrümpfen verwendet werden. Dies hat die EU-Kommission bereits am 27. Januar dieses Jahres beschlossen. Was müssen Bootsbesitzer beachten?

Antifouling-Wirkstoffe sollen Aufwuchs (Fouling) durch Einzeller. Algen und kleine Tiere – wie Seepocken oder Muscheln – auf Schiffsrümpfen verhindern, indem sich die Wirkstoffe langsam aus der Farbe lösen und ins umliegende Wasser gelangen. Dort schaden sie auch den lokalen Ökosystemen, zu denen Wasserpflanzen, Ruderfußkrebse und Algen gehören. Wenn im Frühjahr frisch gestrichene Bootskörper zu Wasser gelassen werden, gelangen auf diesem Weg besonders viele Biozide in die Gewässer. Das Umweltbundesamt hatte bereits 2007 vor der Anwendung des Stoffes gewarnt. Mit Cybutryn wird zum ersten Mal ein Wirkstoff der Produktart Antifouling aufgrund von unannehmbaren Umweltrisiken nicht genehmigt. Was müssen Bootsbesitzer und –Käufer jetzt beachten? Restmengen von Antifouling-Produkten mit Cybutryn müssen vor dem Stichtag – 31. Januar 2017 – entsorgt werden. Das Umweltbundesamt rät zur Abgabe bei Problemsammelstellen wie zum Beispiel Recyclinghöfen. Ob ein Antifouling-Produkt Cybutryn enthält kann auf der Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin recherchiert werden. Beim Bootskauf sollte nach der Antifouling-Beschichtung gefragt werden: Ab dem 02. März 2017 dürfen keine neuen Boote mehr verkauft werden, die mit Cybutryn beschichtet sind.

Keine Beschränkung für ältere Boote
Für Boote, die vor diesem Termin gekauft wurden, gelten dagegen keine Beschränkungen. Wer ein bereits behandeltes Boot besitzt, kann auch weiterhin – mit einigen nationalen Einschränkungen – europäische Gewässer befahren. Bootsbesitzer sollten generell so weit möglich auf biozidhaltige Antifouling-Anstriche verzichten, um die Ökosysteme in den Gewässern möglichst wenig zu belasten. Insbesondere in Seen und Flüssen können Bootsrümpfe auch ohne Antifouling-Wirkstoffe in gutem Zustand bleiben. Mittlerweile gibt es mehrere wirksame Antifouling-Beschichtungen auf dem Markt, die ohne Biozide auskommen.

Was nun?
Nach dem weltweiten Verbot von TBT im Jahr 2008 wurden vom Handel unter anderem irgarolhaltige Ersatzanstrichstoffe als Antifouling-Farbe angeboten und von den Skippern im großen Umfang zur Beschichtung ihrer Boote genutzt. Es ist daher zu erwarten, dass bei Händlern und Bootsbesitzern heute noch große Bestände irgarolhaltiger Bootsfarben vorhanden sind. Der umweltbewusste Skipper fragt sich natürlich jetzt: was nun? Eventuelle Restbestände dürfen bis zum Stichtag legal auf den Bootsrumpf aufgetragen werden. Es ist sogar noch möglich im Sommer oder Herbst 2016 beim Handel solche Mittel zu erwerben und bis Januar 2017 zu verwenden. Nach dem Stichtag dürfen vorhandene irgarolhaltige Anstriche auf dem Bootsrumpf verbleiben bis sie sich von selbst abgetragen haben.

Ausweichen auf biozidfreie Produkte
Irgarol ist unbestreitbar ein besonders langlebiges Umweltgift und daher sollte sich der umweltbewusste Skipper in Hinblick auf das bevorstehende Verbot nach Prüfung seiner persönlichen Situation kritisch fragen: Muss ich wirklich einen biozidhaltigen Farbanstrich auftragen, weil meine diesjährige Tour durch Süß- und Salzwassergebiete führt, oder kann ich gänzlich auf Biozide verzichten? Muss ich die Restbestände an irgarolhaltigen Farben wirklich aufbrauchen, oder gibt es für mich bereits umweltverträglichere Alternativen? Das Umweltbundesamt empfiehlt hierzu ab sofort auf irgarolhaltige Produkte gänzlich zu verzichten und stattdessen auf alternative, möglichst biozidfreie Produkte auszuweichen.

Neue Vorschriften für Entfernung
Für die Entfernung alter irgarolhaltiger Beschichtungen von Bootskörper gibt es einiges zu beachten: Die EU-Zulassung von biozidhaltigen Produkten ist mit Anwendungsbestimmungen zur Risikoverminderung für Gesundheit und Umwelt verbunden. Nach heutigem Kenntnisstand wird auf Sicherheitsdatenblättern für alle künftig zugelassenen biozidhaltigen Antifoulingprodukten gefordert, dass Arbeiten nur in einem (vor Wind) abgeschlossenen Bereich auszuführen sind, um Verdriftung zu vermeiden. Zusätzlich muss der Boden entweder mit einem undurchlässigen Material abgedeckt werden oder die Arbeiten über einer versiegelten Fläche, z.B. auf einem geeigneten Waschplatz, durchgeführt werden. Beide Maßnahmen sollen verhindern, dass Biozide unkontrolliert in die Umwelt gelangen können. Das bedeutet, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten an Biozidbeschichteten Bootsrümpfen künftig nur noch in Bootshäfen mit entsprechend ausgestatteten Arbeitsplätzen einschließlich Vorrichtungen zum Auffangen und ordnungsgemäßen Entsorgen der Schadstoffe zulässig sind. Dies gilt umso mehr für die Entfernung der alten Umweltgifte wie z.B. irgarolhaltigen Farben und mögliche Einzelfälle längst verbotener TBT-Anstriche.