In der frischen Morgenluft die Joggingschuhe anzuziehen und loslaufen, im Frühtau zu Berge wandern oder mit der Kamera in der reinen Morgenluft die schönsten Bilder schießen. All das, und noch vieles mehr wollen wir machen, wenn der Morgen schon wirklich früh beginnt. Was gibt es Schöneres, als im späten Frühjahr, im Sommer oder im frühen Herbst mit den ersten Sonnenstrahlen am morgendlichen Horizont den Anker zu lichten und die leichten Nebelschwaden zu durchfahren, die Enten zu wecken, die ersten leichten Wellen auf dem See in Bewegung zu setzen.

Sonnenuntergang800_600Und dann erst die Abende, wenn es lange nach Feierabend noch hell ist. In den Straßencafés einen kühlen Weißwein trinken, an der Strandbar einen Sundownercocktail genießen oder einfach nur in Parks und an Seen, an Flüssen und Kanälen den Sonnenuntergang erwarten. Dennoch, was nützt uns all das, wenn es in deutschen Wintern schon nachmittags um 16 Uhr dunkel ist und frühestens um 8 Uhr morgens der nächste Tag beginnt.

Aber das ist nun vorbei: Seit dem 22. Dezember geht es wieder aufwärts – zumindest gefühlt. Der 21. Dezember ist erst der Winteranfang, das dicke Ende kommt vielleicht noch nach den trüben Novembertagen. Aber ist der Mensch optimistisch, dann braucht er nur auf die Kalender mit den eingetragenen Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangszeiten zu schauen. Die Zeiten lesen sich wie ein Countdown zum Besseren. Am 15. Dezember sind es nur 7 Stunden und 51 Minuten Sonnenlicht, nachdem die Sonne erst um 8.31 Uhr auf und um 16.22 Uhr schon wieder untergegangen ist. Aber es wird noch schlimmer. Der absolute Tiefpunkt ist dann am 21. Dezember mit der längsten Nacht und dem kürzesten Tag des Jahres erreicht: Hell wird es erst um 8.35 Uhr und dunkel schon wieder um 16.24 Uhr.

Doch dann kann es nur noch aufwärts gehen. Und es geht aufwärts. Täglich erst morgens und abends um jeweils eine Minute. Im Januar und Februar ist das Licht schon zu spüren und am 3. März geht dann die Sonne schon um 6.47 Uhr auf, und erst um 17.49 unter, immer ist es nun schon über 11 Stunden hell. Der Frühling ist da. Nun geht es Schlag auf Schlag. Zwischen zwei und vier Minuten täglich ändern sich diese Zeiten von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nun.

Und das summiert sich sehr schnell. Plötzlich werden wir morgens nicht mehr nur vom Wecker, sondern auch von den Sonnenstrahlen die durch das Schlafzimmerfester dringen geweckt. Und den Feierabend erleben wir nicht mehr trübe und dunkel und wir kommen bei Tageslicht nach Hause.

EkliptikSchuld daran ist die Wintersonnenwende. Am 21. Dezember erreicht die Sonne in unseren Breitengraden die geringste Mittagshöhe über dem Horizont. Durch die Schräglage der Ekliptik, also praktisch dem Lauf der Erde um die Sonne, kehrt sich an diesem Tag die Bewegung um und nähert sich wieder dem Himmelsäquator.

Die Krönung erleben wir dann am 21. Juni – dem längsten Tag und der kürzesten Nacht. Bereits um 4.43 Uhr ist die Sonne da und bleibt uns treu bis 21.33 Uhr – fast 17 Stunden! Wer jetzt früh aufsteht, wird auch die Dämmerung erleben, die Zeit, in der die Sonne zwar noch hinter dem Horizont verborgen ist, aber wir sie schon leuchten sehen. Oder wer nicht zu früh zu Bett geht, wird auch noch lange nach Sonnenuntergang die Abenddämmerung mit glühendem Himmel genießen können. Natürlich variieren diese Zeiten von Ost nach West. So geht im Osten Deutschlands die Sonne im Sommer über 20 Minuten eher auf als im Westen, wo es dann aber im Gegenzug über 20 Minuten länger hell ist.

Und was ist nach dem 21. Juni? Es wird wieder dunkler, aber das ist eine andere Geschichte.

Von Wolf Schneider

Veröffentlicht bei: www.die-reporter.info