Es scheint, als hätte sich der goldene Herbst verabschiedet. Jetzt präsentiert sich Petrus von seiner launischsten Seite: Sturm, Regen und Dunkelheit bestimmen den Alltag. Dabei sind wir von schlimmeren Stürmen bis dato verschont geblieben. Doch ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht die brutale Kraft der Naturgewalten: Im Herbst 1972 fegte der Orkan Quimburga über die Nordhälfte Deutschlands und hinterließ gewaltige Schäden.

Es ist der frühe Morgen des 13. November 1972. Ein Sturm zieht auf. Fenster klappern, Blätter wirbeln, die Baumwipfel ächzen im Wind. Zuvor war kalte Polarluft über den nordamerikanischen Kontinent gezogen, gleichzeitig führte ein bei den Azoren liegendes Hochdruckgebiet warme Subtropikluft nach Norden, eine brisante Wetterlage deutete sich an. Zuverlässige Wettervorhersagen, Regenradar, Wetterstationen auf dem heimischen Balkon, in den frühen Siebzigerjahren ist all das eine kühne Utopie. Als den Behörden das gesamte Ausmaß des heraneilenden Sturms bewusste wird, ist es daher eigentlich schon zu spät. Trotz der eilig kommunizierten Unwetterwarnungen trifft Orkan Quimburga die Bewohner Niedersachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs und Berlins unerwartet und mit voller Härte

Quimburga wütet
Gegen 8 Uhr werden die ersten Orkanböen im Weser-Ems-Gebiet registriert. Mit bis zu 245 km/h tobt Quimburga jetzt gen Osten. Fensterscheiben zerspringen, Mauern werden wie Pappkartons eingedrückt. Weil der Sturm auch schwerste Fahrzeuge mit Leichtigkeit von der Fahrbahn fegt, wird die Bergung von Verletzten zum Drahtseilakt. Insgesamt soll der Orkan 73 Menschenleben fordern, was Quimburga zu einem der schwersten deutschen Naturkatastrophen des Jahrhunderts macht. Besonders verheerend waren neben einem Sachschaden in Millardenhöhe auch die Folgen für die Natur.

Kirche 13-11-1972

Die Christophkirche in Berlin-Friedrichshagen nach Quimburga. Foto: Norbert Radtke via Wikimedia Commons

Katastrophale Schäden
Der Orkan verwüstete die Umwelt in apokalyptischem Ausmaße. Vier Stunden wütete Quimburga über Norddeutschland, dabei wurden etwa 50 Millionen Bäume umgeworfen, die forstliche Aufbauarbeit von Jahrhunderten war vernichtet. Zwar wurden die Wälder über die Jahrzehnte aufwendig wiederaufgeforstet, vollständig konnte der Baumbestand jedoch nie wiederhergestellt werden.Auch in der Hauptstadt kam es zu massiven Schäden. Der Turm der Christophkirche in Berlin-Friedrichshagen wurde so schwer beschädigt, dass er abgebrochen werden musste. Die herabstürzenden Trümmern des Giebels erfassten eine Frau, die sofort verstarb. Durch den zerstörerischen Winddruck stürzte der 243 Meter hohe Mittelturm des Senders Königs-Wusterhausen um. Auch Teil der Staatsbilbliothek wurden stark beschädigt.

Heute erinnern Gedenksteine in Ahlhorn, Harpstedt und Huntlosen an die Katastrophe und ihre Folgen für die Menschen und Wälder der Region.

gedenkstein

Wolf-Alexander Schneider

Foto: Dirk Ingo Franke via Wikimedia Commons